Es gibt einen Status
quo, einen herrschenden Zustand, ein beherrschendes System und beherrschte und herrschende Menschen. Es gibt Kräfte, die das herrschende System kritisieren und bekämpfen und in Opposition zu ihm stehen. Diese Kräfte
teilen sich in zwei Lager auf, die verschiedene Systemalternativen haben, sich heftig bekämpfen und um die Systemablöse konkurrieren: das linke und das rechte Lager. Die sehr heterogenen Kräfte innerhalb der Lager, die
zur Austauschbarkeit vieler dieser Kräfte über die Lagergrenzen hinweg führt, werden von den jeweiligen Lagerzentren angezogen und gruppieren sich um diese.
Hauptunterscheidungspunkt der Lager ist die nationale
Frage: Während in dem einen Lager das Nationale kaum eine Rolle spielt und überhaupt die Existenz einer solchen Frage im Extremfalle geleugnet wird, nimmt die nationale Frage in den systemalternativen Überlegungen des
anderen Lagers ein herausragende Stellung ein; im äußersten Falle hat die Nation bzw. der Begriff Nation hier Fetischcharakter. Die Extreme beider Lager, die gleichwohl das Lagerleben bestimmen, bekämpfen sich als
Nationalisten und Antinationalisten.
Zwischen diesen beiden Lagern verläuft eine Frontlinie, zu der sich ein dritte Kraft querstellt – die Querfront –, die weder nationalistisch, noch antinationalistisch ist, das
Nationale als Fragestellung sehr wohl für statthaft und notwendig hält, es freilich als Fetisch oder Ideologem ablehnt. Die Querfront hat zum Nationalen ein entspanntes Verhältnis und ist von daher die Alternative zum
Frontkampf.
Die sich bekämpfenden Lager haben beide ein und denselben Nationenbegriff, nämlich den des Bürgertums. Beide geben vor, den Kapitalismus ablösen zu wollen, denken komischerweise aber beide das Nationale
als den bürgerlichen Nationalstaat. Querfrontler tun dies nicht; sie kleben nicht am bürgerlichen Nationenbegriff, und das macht sie frei. Der bürgerliche Nationalstaat ist die Mystifizierung des real Nationalen.
Querfrontler lehnen den bürgerlichen Nationalstaat samt seines politischen und Parteiensystems ab. Da sie sich nicht am Parlamentarismus beteiligen, sind sie weder links, noch rechts. Frontler dagegen definieren auch
sich selbst mit den Begriffen ihrer bürgerlichen Herren.
Die Querfrontler entziehen sich dem Kampf der verfeindeten Lager und weisen auf den Nutznießer dieses Kampfes – das Bürgertum und sein Staat, den es dabei ist
zu globalisieren – und entwickeln einen post-kapitalistischen Nationenbegriff und lenken die Aufmerksamkeit auf die eigentliche Front: die zwischen Herrschern und Beherrschten, Ausbeutern und Ausgebeuteten, zwischen
nichtkapitalistischen Nationen und bürgerlichem Nationalstaat, Nationen- und Naturzerstörern und zu Zerstörenden.